Bis 2017 war Wolfgang Bosbach Mitglied des Deutschen Bundestages. Auch heute ist der langjährige CDU-Politiker regelmäßig in Talkshows und anderen Medien zu sehen. Dabei spricht er längst nicht mehr nur über Politik, sondern auch offen über persönliche Themen: Seit rund 16 Jahren lebt Wolfgang Bosbach mit der Diagnose unheilbarer Prostatakrebs. Hinzu kommt eine chronische Herzinsuffizienz. Im Gespräch mit dem Linus Ratgeber spricht er über seinen Blick auf das Leben und seine Haltung zum assistierten Suizid.
Herr Bosbach, mit seinem Urteil aus dem Jahr 2020 hat das Bundesverfassungsgericht das Recht auf selbstbestimmtes Sterben gestärkt und damit auch das Verbot der geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung für nichtig erklärt. Gleichzeitig werden Stimmen laut, die eine stärkere gesetzliche Regulierung fordern. Wie stehen Sie persönlich zum Thema Suizidassistenz und wo sehen Sie aktuell noch gesetzlichen Handlungsbedarf?
Ich sehe keine Notwendigkeit, am Strafrecht etwas zu ändern. Vielmehr halte ich einen weiteren Ausbau der ambulanten und stationären Hospizarbeit für essenziell. Beim Thema Suizidassistenz gehen die Meinungen in der Gesellschaft auseinander. Mir persönlich gefällt nach wie vor der ebenso einprägsame wie zutreffende Satz: „Wir sollten an der Hand eines anderen Menschen sterben, nicht durch dessen Hand.“
Bei Ihnen wurde im Jahr 2010 Prostatakrebs diagnostiziert. Außerdem tragen Sie aufgrund einer Herzinsuffizienz einen Herzschrittmacher. Wie hat sich Ihr Blick auf das Leben und Sterben durch eine unheilbare Diagnose verändert?
Ich merke, dass ich mit der Zeit gelassener werde. Wenn sich Leute, aus welchen Gründen auch immer, fürchterlich über Kleinigkeiten aufregen, denke ich mir oft: „Deine Sorgen möchte ich haben!“
Der Gedanke, dass ich besser zur Vorsorge gegangen wäre, beschäftigt mich hingegen regelmäßig. Dann wäre der Krebs womöglich schon früher entdeckt worden. Daher kann ich nur an alle Männer appellieren: Runter vom Sofa und auf zur Vorsorge!
In der Öffentlichkeit gehen Sie offen mit Ihrer Erkrankung um. Warum haben Sie sich bewusst für diesen Weg entschieden?
Das war nicht von Anfang an so. Die Diagnose habe ich zunächst für mich behalten. Schließlich war der Krebs ein Zufallsfund, der mein Leben von einem Tag auf den anderen veränderte. Aber nach der OP und der Strahlentherapie war mir klar, dass es nicht mehr um Heilung, sondern um lebensverlängernde Maßnahmen geht, die die Lebensqualität möglichst lange erhalten sollen. Erst dann habe ich mich bewusst für einen offenen und ehrlichen Umgang mit dem Thema entschieden. So wie in der Politik eben auch.

