Über das eigene Lebensende zu sprechen, fällt vielen Menschen schwer. Doch manchmal kann allein die Gewissheit, im entscheidenden Moment selbst bestimmen zu können, Sicherheit geben.
Viele Menschen kennen die Sorge vor dem, was kommen könnte: Was, wenn eine Krankheit fortschreitet? Was, wenn die Schmerzen zunehmen oder der Alltag irgendwann nicht mehr selbstbestimmt möglich ist? Viele haben zu diesem Zeitpunkt keinen Sterbewunsch. Oft geht es zunächst darum, sich frühzeitig zu informieren, die eigenen Möglichkeiten zu kennen und zu wissen, was im Fall einer weiteren Verschlechterung denkbar wäre. Allein diese Gewissheit kann Sicherheit geben.
Erich Teuscher hat sich aus diesem Grund an Linus gewandt. Für ihn ist die frühzeitige Auseinandersetzung mit dem eigenen Lebensende eine Frage der Selbstbestimmung.
Mein Sterbewunsch bedeutet, mich frühzeitig über mögliche Wege und Unterstützung zu informieren.
Würde ist persönlich
Was ein würdiges Lebensende ausmacht, lässt sich nicht allgemeingültig beantworten. Für manche Menschen bedeutet Würde, bis zuletzt medizinisch behandelt zu werden und alle Möglichkeiten auszuschöpfen. Andere wünschen sich vor allem, möglichst lange selbstständig zu bleiben, über ihren Alltag mitzuentscheiden und ihre letzten Wochen oder Monate nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten.
Dabei gibt es unterschiedliche Wege, ein Lebensende bewusst und selbstbestimmt zu gestalten. Palliative Versorgung kann Beschwerden lindern und Lebensqualität erhalten, wenn eine Heilung nicht mehr im Vordergrund steht. In einem Hospiz können Menschen ihre letzte Lebensphase in einer geschützten Umgebung verbringen und medizinisch, pflegerisch und menschlich begleitet werden. Auch die frühzeitige Auseinandersetzung mit Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht oder individuellen Behandlungswünschen kann dazu beitragen, den eigenen Vorstellungen bis zuletzt Raum zu geben. Für manche Menschen gehört darüber hinaus die Möglichkeit der assistierten Sterbehilfe zu den Optionen, über die sie sich informieren und mit denen sie sich auseinandersetzen möchten.
Würde bedeutet deshalb nicht für alle dasselbe und Selbstbestimmung kann ganz unterschiedliche Formen annehmen. Für Erich bedeutet Würde vor allem, nicht das Gefühl zu haben, am Ende des eigenen Lebens jede Kontrolle abgeben zu müssen.
Der Moment, in dem aus einem Wunsch eine Entscheidung wird
Für Erich ist klar: Dass er in die Linus Datenbank aufgenommen wurde, ist für ihn zunächst eine Form der Vorsorge – kein aktiver Sterbewunsch. Erst wenn eine persönliche Grenze erreicht ist, würde aus diesem Wunsch eine konkrete Entscheidung. Dann gebe es auch keinen Raum für Zweifel oder ein Zurück.
Ein Thema, das oft zu schnell bewertet wird
Doch was passiert, sobald Sterbehilfe als Möglichkeit im Raum steht? Für Erich wird die Diskussion dann schnell zu schwarz und weiß geführt. Wer äußert, über einen möglichen assistierten Suizid nachzudenken, wird leicht so verstanden, als habe er sich bereits für den Tod entschieden. Erich empfindet diese Verkürzung als problematisch, weil sie dem Einzelnen kaum Raum für Zwischentöne lässt. Wer über das eigene Lebensende spricht, muss sich nicht zwangsläufig in diesem Moment festlegen. Man kann Fragen stellen, Möglichkeiten ausloten, Ängste benennen oder sich mit einer Entscheidung auseinandersetzen, die vielleicht erst unter bestimmten Bedingungen relevant werden könnte. „In den öffentlichen Diskussionen wird dabei oft nicht verstanden, dass ein Sterbewunsch nicht zwangsläufig eine endgültige Entscheidung oder einen sofortigen Auftrag bedeutet.“
Für Erich ist es deshalb wichtig, dass ein solcher Wunsch zunächst als das verstanden werden darf, was er für die betreffende Person tatsächlich ist – ohne vorschnelle Zuschreibungen. Er möchte weder davon überzeugt werden, anders denken zu müssen, noch seine Haltung gegenüber anderen rechtfertigen.
Was bleibt vom Leben?
Für Erich hat die Beschäftigung mit dem eigenen Lebensende nicht dazu geführt, dass das Leben für ihn an Bedeutung verloren hat. Im Gegenteil. Seit er weiß, dass es im Fall der Fälle eine Möglichkeit der assistierten Sterbehilfe geben könnte, empfindet er die Zukunft als weniger bedrohlich.
Die Gewissheit, sich mit dieser Möglichkeit auseinandersetzen und im entscheidenden Moment eine eigene Entscheidung treffen zu können, macht mich innerlich ruhiger.

